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	<title>Kommentare zu: Mittels Fallpauschalen Kosten sparen</title>
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	<description>I don&#039;t care who writes a nation&#039;s laws if I can write its economics textbooks...</description>
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		<title>Von: Tilman Slembeck</title>
		<link>http://www.slembeck.ch/blog/?p=1374&#038;cpage=1#comment-2704</link>
		<dc:creator>Tilman Slembeck</dc:creator>
		<pubDate>Mon, 08 Aug 2011 22:23:04 +0000</pubDate>
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		<description>&lt;em&gt;Danke für die vielen Diskussionspunkte, lieber Horst!&lt;/em&gt;

Zunächst zum Grundsätzlichen. Spitäler sind kein anreizfreies Vakuum. Selbstverständlich bestehen schon heute ohne DRGs jede Menge monetärer und nicht-monetärer Anreize. Nur gehen diese teilweise in die falsche Richtung und müssen deshalb korrigiert werden.

Die USZ-Studie ist von Medizinern gemacht und ortet im Bereich der Komplikationen ein enormes Sparpotential. Dieses dürfte es gar nicht geben, wenn die Anreize bereits optimiert wären.

Ein wichtiger Weg zu besserer Qualität und tieferen Kosten ist die Spezialisierung -- aber nur in einem &lt;em&gt;bestimmten Sinne &lt;/em&gt;und &lt;em&gt;Kontext&lt;/em&gt;. 

Das betrifft zunächst die Mindestfallzahlen. Wenn Du eine Knieoperation brauchst, zu welchem Operateur würdest Du gehen? Zu einem, der diese OP 3mal pro Jahr macht oder zu einem, der sie 30mal pro Jahr macht? Eben.
Operateure und OP-Teams brauchen Routine, gerade auch um bei Komplikationen richtig zu reagieren. Durch geeignete Massnahmen (wie Rotationen) kann man vermeiden, dass sie betriebsblind werden. Erfahrene, spezialisierte Teams sind besser, schneller und günstiger - das kann jeder Spitaldirektor bestätigen.

Allerdings sprechen wir hier von Spezialistentätigkeit bei klaren Diagnosen. Diese Tätigkeit muss eingebettet sein in einen System von Allgemeinpraktikern und anderen Grundversorgern, die mehr als nur ein Organ oder eine Operationstechnik kennen und deshalb kranke Menschen ganzheitlich erfassen und betreuen können. Bei übermässiger Spezialisierung gerät der Mensch mit Geist, Seele und Körper ansonsten in Vergessenheit. Es braucht zweifellos nicht nur Spezialisten, aber auch.

Dass Spezialisierung dazu führen soll, dass Angehörige die Patienten &quot;nur noch schwer&quot; besuchen können und deshalb &quot;erhebliche soziale Folgekosten&quot; entstehen, ist ein eingermassen absurdes Argument. Vernünftig dimensionierte Versorgungsräume, man diskutiert ca. 7 bis 10 für die Schweiz, ermöglichen in unserem kleinen Land kurze Reisewege trotz Spezialisierung. -- Würdest Du für den Spitalbesuch bei Deiner Mutter nicht 60 Minuten (statt nur 20 Minuten) Reisezeit in Kauf nehmen, wenn sie dafür die bessere medizinische Betreuung erhält? Eben.
Es ist genau Dein Argument, das lange dazu verwendet wurde, um eine kostenintensive, kleinräumige Spitalstruktur zu rechtfertigen. 

Eine weitere Befürchtung betrifft, die vorzeitigen (&quot;blutigen&quot;) Entlassungen; vgl. die &lt;a href=&quot;http://www.videoportal.sf.tv/video?id=9c39d5cf-d46d-40bb-b960-60559aea0d3b&quot; rel=&quot;nofollow&quot;&gt;Arena-Diskussion vom 20.05.11.&lt;/a&gt; Die internationale Literatur zeigt, dass diese Befürchtung kaum haltbar ist. Selbst Ärzte, die den Fallpauschalen abgeneigt sind, ziehen dieses Gespenst nicht mehr aus der Mottenkiste; vgl. Arena.
Zudem werden in der Schweiz vorzeitige Entlassungen mit einem Abschlag bestraft und die Spitäler sind zudem noch 18 Tage nach der Entlassung für den Fall verantwortlich. (Du siehst, das System ist kompliziert und ich habe nicht alles in den kurzen Text hineingebracht.)

Eine weitere Befürchtung hast Du gehört: &quot;...läuft das DRG-Projekt grosse Gefahr, das Gesundheitswesen noch stärker zu einem zahlengetriebenen Krankheitswesen umzuformen...&quot;
Das Gegenteil ist der Fall. Statt 26 unterschiedlichen Systemen gibt es künftig nur noch 1 schweizweit einheitliches System. Nur während der Übergangsphase entstehen Umstellungskosten.

In einem Punkt stimme ich aber mit Dir überein. Noch besser als nur die Fallpauschalen allein, sind integrierte Versorgungsmodelle mit Kopfpauschalen (sog. capitation), bei welchen die Leistungserbringer an der Gesundheit verdienen, statt an der Krankheit; vgl. meinen &lt;a href=&quot;http://www.slembeck.ch/blog/?p=1031&quot; rel=&quot;nofollow&quot;&gt;Blogbeitrag vom 9.12.10&lt;/a&gt;. </description>
		<content:encoded><![CDATA[<p><em>Danke für die vielen Diskussionspunkte, lieber Horst!</em></p>
<p>Zunächst zum Grundsätzlichen. Spitäler sind kein anreizfreies Vakuum. Selbstverständlich bestehen schon heute ohne DRGs jede Menge monetärer und nicht-monetärer Anreize. Nur gehen diese teilweise in die falsche Richtung und müssen deshalb korrigiert werden.</p>
<p>Die USZ-Studie ist von Medizinern gemacht und ortet im Bereich der Komplikationen ein enormes Sparpotential. Dieses dürfte es gar nicht geben, wenn die Anreize bereits optimiert wären.</p>
<p>Ein wichtiger Weg zu besserer Qualität und tieferen Kosten ist die Spezialisierung &#8212; aber nur in einem <em>bestimmten Sinne </em>und <em>Kontext</em>. </p>
<p>Das betrifft zunächst die Mindestfallzahlen. Wenn Du eine Knieoperation brauchst, zu welchem Operateur würdest Du gehen? Zu einem, der diese OP 3mal pro Jahr macht oder zu einem, der sie 30mal pro Jahr macht? Eben.<br />
Operateure und OP-Teams brauchen Routine, gerade auch um bei Komplikationen richtig zu reagieren. Durch geeignete Massnahmen (wie Rotationen) kann man vermeiden, dass sie betriebsblind werden. Erfahrene, spezialisierte Teams sind besser, schneller und günstiger &#8211; das kann jeder Spitaldirektor bestätigen.</p>
<p>Allerdings sprechen wir hier von Spezialistentätigkeit bei klaren Diagnosen. Diese Tätigkeit muss eingebettet sein in einen System von Allgemeinpraktikern und anderen Grundversorgern, die mehr als nur ein Organ oder eine Operationstechnik kennen und deshalb kranke Menschen ganzheitlich erfassen und betreuen können. Bei übermässiger Spezialisierung gerät der Mensch mit Geist, Seele und Körper ansonsten in Vergessenheit. Es braucht zweifellos nicht nur Spezialisten, aber auch.</p>
<p>Dass Spezialisierung dazu führen soll, dass Angehörige die Patienten &#8220;nur noch schwer&#8221; besuchen können und deshalb &#8220;erhebliche soziale Folgekosten&#8221; entstehen, ist ein eingermassen absurdes Argument. Vernünftig dimensionierte Versorgungsräume, man diskutiert ca. 7 bis 10 für die Schweiz, ermöglichen in unserem kleinen Land kurze Reisewege trotz Spezialisierung. &#8212; Würdest Du für den Spitalbesuch bei Deiner Mutter nicht 60 Minuten (statt nur 20 Minuten) Reisezeit in Kauf nehmen, wenn sie dafür die bessere medizinische Betreuung erhält? Eben.<br />
Es ist genau Dein Argument, das lange dazu verwendet wurde, um eine kostenintensive, kleinräumige Spitalstruktur zu rechtfertigen. </p>
<p>Eine weitere Befürchtung betrifft, die vorzeitigen (&#8220;blutigen&#8221;) Entlassungen; vgl. die <a href="http://www.videoportal.sf.tv/video?id=9c39d5cf-d46d-40bb-b960-60559aea0d3b" rel="nofollow">Arena-Diskussion vom 20.05.11.</a> Die internationale Literatur zeigt, dass diese Befürchtung kaum haltbar ist. Selbst Ärzte, die den Fallpauschalen abgeneigt sind, ziehen dieses Gespenst nicht mehr aus der Mottenkiste; vgl. Arena.<br />
Zudem werden in der Schweiz vorzeitige Entlassungen mit einem Abschlag bestraft und die Spitäler sind zudem noch 18 Tage nach der Entlassung für den Fall verantwortlich. (Du siehst, das System ist kompliziert und ich habe nicht alles in den kurzen Text hineingebracht.)</p>
<p>Eine weitere Befürchtung hast Du gehört: &#8220;&#8230;läuft das DRG-Projekt grosse Gefahr, das Gesundheitswesen noch stärker zu einem zahlengetriebenen Krankheitswesen umzuformen&#8230;&#8221;<br />
Das Gegenteil ist der Fall. Statt 26 unterschiedlichen Systemen gibt es künftig nur noch 1 schweizweit einheitliches System. Nur während der Übergangsphase entstehen Umstellungskosten.</p>
<p>In einem Punkt stimme ich aber mit Dir überein. Noch besser als nur die Fallpauschalen allein, sind integrierte Versorgungsmodelle mit Kopfpauschalen (sog. capitation), bei welchen die Leistungserbringer an der Gesundheit verdienen, statt an der Krankheit; vgl. meinen <a href="http://www.slembeck.ch/blog/?p=1031" rel="nofollow">Blogbeitrag vom 9.12.10</a>.</p>
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		<title>Von: Horst Bienert</title>
		<link>http://www.slembeck.ch/blog/?p=1374&#038;cpage=1#comment-2701</link>
		<dc:creator>Horst Bienert</dc:creator>
		<pubDate>Mon, 08 Aug 2011 17:39:57 +0000</pubDate>
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		<description>Schöne Darlegungen zu anreizkompatiblen Fallpauschalen. Kann es das überhaupt geben? Brauchen wir soviel monetären Anreiz für Ärzte, und können wir die Anreize wirklich so zielgenau definieren?

Ist es denn wirklich so, dass Kliniken/Ärzte bisher Komplikationen in Kauf genommen oder gar gefördert haben? Und nun durch Anreize so gesteuert werden müssten, dass sie Komplikationen verhindern wollen? Die Ärzte die ich kenne, sind eher nicht so.

Wenn man das Anreizargument zu Ende denkt, dann kann man befürchten, dass Fallpauschalen einen Anreiz zur vorzeitigen Entlassung - ggf. auch mit Todesfolge, jedenfalls aber ohne Rücksicht auf das individuelle Tempo der Erholung von einer Krankheit - enthalten.

In jedem Fall gibt es schon heute einen Anreiz, im Zweifel eine lukrative Diagnose zu stellen. Lieber eine leichte Pneumonie als eine schwere Bronchitis. Vielleicht besteht sogar ein Anreiz, zu warten bis aus der schweren Bronchitis eine leichte Pneumonie wird?

Vermutlich sind &quot;normale&quot; Komplikationen sehr stark von der Zusammensetzung der Patienten abhängig. Diese wiederum kann sich zwischen den Krankenhäusern deutlich unterscheiden.

Und schliesslich hat die vorgeschlagene Spezialisierung erhebliche soziale Folgekosten (evtl. nicht-monetärer Art): die Angehörigen können ihre Kranken nur noch schwer besuchen.

Die Spezialisierung führt auch noch weiter dazu, dass nicht mehr der Mensch sondern seine Krankheit (bzw. eine seiner Krankheiten) behandelt wird.

Nach dem was ich bisher aus privaten Kontakten zu Patienten oder Mitarbeitern von Krankenhäusern (Pfleger, Ärzte) gehört habe, läuft das DRG-Projekt grosse Gefahr, das Gesundheitswesen noch stärker zu einem zahlengetriebenen Krankheitswesen umzuformen, in dem die Menschen (Kranke und Heilende) immer weniger Spielraum für eine individuelle Hilfe zur Gesundung haben.</description>
		<content:encoded><![CDATA[<p>Schöne Darlegungen zu anreizkompatiblen Fallpauschalen. Kann es das überhaupt geben? Brauchen wir soviel monetären Anreiz für Ärzte, und können wir die Anreize wirklich so zielgenau definieren?</p>
<p>Ist es denn wirklich so, dass Kliniken/Ärzte bisher Komplikationen in Kauf genommen oder gar gefördert haben? Und nun durch Anreize so gesteuert werden müssten, dass sie Komplikationen verhindern wollen? Die Ärzte die ich kenne, sind eher nicht so.</p>
<p>Wenn man das Anreizargument zu Ende denkt, dann kann man befürchten, dass Fallpauschalen einen Anreiz zur vorzeitigen Entlassung &#8211; ggf. auch mit Todesfolge, jedenfalls aber ohne Rücksicht auf das individuelle Tempo der Erholung von einer Krankheit &#8211; enthalten.</p>
<p>In jedem Fall gibt es schon heute einen Anreiz, im Zweifel eine lukrative Diagnose zu stellen. Lieber eine leichte Pneumonie als eine schwere Bronchitis. Vielleicht besteht sogar ein Anreiz, zu warten bis aus der schweren Bronchitis eine leichte Pneumonie wird?</p>
<p>Vermutlich sind &#8220;normale&#8221; Komplikationen sehr stark von der Zusammensetzung der Patienten abhängig. Diese wiederum kann sich zwischen den Krankenhäusern deutlich unterscheiden.</p>
<p>Und schliesslich hat die vorgeschlagene Spezialisierung erhebliche soziale Folgekosten (evtl. nicht-monetärer Art): die Angehörigen können ihre Kranken nur noch schwer besuchen.</p>
<p>Die Spezialisierung führt auch noch weiter dazu, dass nicht mehr der Mensch sondern seine Krankheit (bzw. eine seiner Krankheiten) behandelt wird.</p>
<p>Nach dem was ich bisher aus privaten Kontakten zu Patienten oder Mitarbeitern von Krankenhäusern (Pfleger, Ärzte) gehört habe, läuft das DRG-Projekt grosse Gefahr, das Gesundheitswesen noch stärker zu einem zahlengetriebenen Krankheitswesen umzuformen, in dem die Menschen (Kranke und Heilende) immer weniger Spielraum für eine individuelle Hilfe zur Gesundung haben.</p>
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