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	<title>Kommentare zu: Neue Haushaltsdisziplin in Europa?</title>
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	<description>I don&#039;t care who writes a nation&#039;s laws if I can write its economics textbooks...</description>
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		<title>Von: Tilman Slembeck</title>
		<link>http://www.slembeck.ch/blog/?p=546&#038;cpage=1#comment-230</link>
		<dc:creator>Tilman Slembeck</dc:creator>
		<pubDate>Tue, 29 Jun 2010 22:49:41 +0000</pubDate>
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		<description>Die Blogger von &lt;strong&gt;Iconomix&lt;/strong&gt; (ein Blog der Schweizerischen Nationalbank) haben eine nette &lt;a href=&quot;http://www.iconomix.ch/de/service/blog/archive/2010/06/11/sparpakete-stimmen-aus-presse-und-web/&quot; target=&quot;blank&quot;  rel=&quot;nofollow&quot;&gt;Zusammenstellung zum Thema&lt;/a&gt; verfasst -- u.a. mit Verweis auf diesen Blog.</description>
		<content:encoded><![CDATA[<p>Die Blogger von <strong>Iconomix</strong> (ein Blog der Schweizerischen Nationalbank) haben eine nette <a href="http://www.iconomix.ch/de/service/blog/archive/2010/06/11/sparpakete-stimmen-aus-presse-und-web/" target="blank"  rel="nofollow">Zusammenstellung zum Thema</a> verfasst &#8212; u.a. mit Verweis auf diesen Blog.</p>
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		<title>Von: Tilman Slembeck</title>
		<link>http://www.slembeck.ch/blog/?p=546&#038;cpage=1#comment-222</link>
		<dc:creator>Tilman Slembeck</dc:creator>
		<pubDate>Mon, 21 Jun 2010 22:10:19 +0000</pubDate>
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		<description>Sehr geehrter Herr Lindner
es ist interessant, dass Sie die „economic fallacies“ ansprechen, weil ich mich schon seit vielen Jahren damit befasse; vgl. &lt;a title=&quot;als PDF öffnen&quot; href=&quot;http://www.slembeck.ch/pdf/ideology-slembeck-chap6.pdf&quot; target=&quot;_blank&quot; rel=&quot;nofollow&quot;&gt;Buchkapitel&lt;/a&gt;, inkl. einer Liste solcher „fallacies“. Dass Sie diese Trugschlüsse nun den Ökonomen statt den Laien zuschreiben, ist rhetorisch geschickt, aber vorliegend leider verfehlt. 

Japan und Schweden als vermeintliche, empirische Speerspitze gegen die negativen Anreizwirkungen einer massiven Um- oder gar Gleichverteilungspolitik ins Feld zu führen, scheint mir nun doch etwas gewagt. Denn mikroökonomisch ist zunächst klar, dass Umverteilung grundsätzlich Leistungshemmend wirkt: Wer mit oder ohne Anstrengung am Schluss gleich viel bekommt, überlegt es sich zwei mal, ob er sich anstrengen soll; vgl. mein Beispiel zur Notengebung im Studium. 

Natürlich gibt es auch intrinsisch oder altruistisch Motivierte – die einen erbringen Leistungen aus Freude an der Leistung selbst und die anderen, um anderen Gutes zu tun – doch leider ist diese Motivationslage kaum generalisierbar. 

Hinzu kommt aber ein zweites: Die Abnahme des Leistungswillens durch umverteilende Steuern hängt massgeblich davon ab, wie gerecht die Steuern von den Bürgern empfunden werden und welche staatlichen Leistungen die Steuerzahler dafür erhalten.  Wird die Steuer- und Abgabenbelastung insgesamt als moderat empfunden, halten die Bürger das Steuersystem für fair und verfügen sie über demokratische Mitspracherechte, und empfinden die Steuerzahler die staatlichen Leistungen als faire Gegenleistung für ihre Abgaben, so ist der Rückgang des Leistungswillens vergleichsweise gering. 

Diese Aspekte wurden z.B. von Gebhard Kirchgässner, Lars P. Feld und Friedrich Schneider (auch im Zusammenhang mit dem Ausmass der Schattenwirtschaft) empirisch untersucht. Nicht zuletzt die Parizipationsmöglichkeiten in Steuerbelangen spielen dabei eine Rolle. 

Für Japan und Schweden kenne ich die Resultate nicht, kann mir aber vorstellen, dass eine starke Umverteilung bzw. hohe Steuerbelastung dort gesellschaftlich gut akzeptiert ist. In Griechenland und Italien ist sie es jedenfalls nicht. 

Bezüglich der vermeintlich tiefen Steuerbelastung in Deutschland begehen Sie den klassischen Fehler, dass Sie nur auf einzelne Steuern und nicht auf die Belastung mit Steuern und Abgaben insgesamt abstellen. Alle mir bekannten Studien zeigen für Deutschland eine hohe Abgabenbelastung innerhalb der OECD (vgl. &lt;a title=&quot;NZZ, März 09&quot; href=&quot;http://www.nzz.ch/nachrichten/wirtschaft/aktuell/steuerwueste_deutschland_1.2233320.html&quot;  target=&quot;_blank&quot; rel=&quot;nofollow&quot;&gt;NZZ &lt;/a&gt; oder auch die Analysen von Thomas Straubhaar). 

Zudem scheint es vergleichsweise wenig „Steuerflüchtlinge“ zu geben, welche in Deutschland ihr fiskalisches Glück suchen. Diese Empirie und das Verhalten von Peer Steinbrück sprechen hier Bände… Immerhin: dank Liechtenstein ist die Schweiz nicht ausschliesslich von Steuerwüsten umgeben.

Kurzum: Die Umverteilung von Einkommen hat sehr viel mit Leistungsanreizen – und damit mit Wachstum –  zu tun. Boris Becker, Michael Schumacher und andere deutsche Leistungsträger lassen grüssen. Das ist wohl empirischer Fakt genug…

Freundliche Grüsse,
Tilman Slembeck</description>
		<content:encoded><![CDATA[<p>Sehr geehrter Herr Lindner<br />
es ist interessant, dass Sie die „economic fallacies“ ansprechen, weil ich mich schon seit vielen Jahren damit befasse; vgl. <a title="als PDF öffnen" href="http://www.slembeck.ch/pdf/ideology-slembeck-chap6.pdf" target="_blank" rel="nofollow">Buchkapitel</a>, inkl. einer Liste solcher „fallacies“. Dass Sie diese Trugschlüsse nun den Ökonomen statt den Laien zuschreiben, ist rhetorisch geschickt, aber vorliegend leider verfehlt. </p>
<p>Japan und Schweden als vermeintliche, empirische Speerspitze gegen die negativen Anreizwirkungen einer massiven Um- oder gar Gleichverteilungspolitik ins Feld zu führen, scheint mir nun doch etwas gewagt. Denn mikroökonomisch ist zunächst klar, dass Umverteilung grundsätzlich Leistungshemmend wirkt: Wer mit oder ohne Anstrengung am Schluss gleich viel bekommt, überlegt es sich zwei mal, ob er sich anstrengen soll; vgl. mein Beispiel zur Notengebung im Studium. </p>
<p>Natürlich gibt es auch intrinsisch oder altruistisch Motivierte – die einen erbringen Leistungen aus Freude an der Leistung selbst und die anderen, um anderen Gutes zu tun – doch leider ist diese Motivationslage kaum generalisierbar. </p>
<p>Hinzu kommt aber ein zweites: Die Abnahme des Leistungswillens durch umverteilende Steuern hängt massgeblich davon ab, wie gerecht die Steuern von den Bürgern empfunden werden und welche staatlichen Leistungen die Steuerzahler dafür erhalten.  Wird die Steuer- und Abgabenbelastung insgesamt als moderat empfunden, halten die Bürger das Steuersystem für fair und verfügen sie über demokratische Mitspracherechte, und empfinden die Steuerzahler die staatlichen Leistungen als faire Gegenleistung für ihre Abgaben, so ist der Rückgang des Leistungswillens vergleichsweise gering. </p>
<p>Diese Aspekte wurden z.B. von Gebhard Kirchgässner, Lars P. Feld und Friedrich Schneider (auch im Zusammenhang mit dem Ausmass der Schattenwirtschaft) empirisch untersucht. Nicht zuletzt die Parizipationsmöglichkeiten in Steuerbelangen spielen dabei eine Rolle. </p>
<p>Für Japan und Schweden kenne ich die Resultate nicht, kann mir aber vorstellen, dass eine starke Umverteilung bzw. hohe Steuerbelastung dort gesellschaftlich gut akzeptiert ist. In Griechenland und Italien ist sie es jedenfalls nicht. </p>
<p>Bezüglich der vermeintlich tiefen Steuerbelastung in Deutschland begehen Sie den klassischen Fehler, dass Sie nur auf einzelne Steuern und nicht auf die Belastung mit Steuern und Abgaben insgesamt abstellen. Alle mir bekannten Studien zeigen für Deutschland eine hohe Abgabenbelastung innerhalb der OECD (vgl. <a title="NZZ, März 09" href="http://www.nzz.ch/nachrichten/wirtschaft/aktuell/steuerwueste_deutschland_1.2233320.html"  target="_blank" rel="nofollow">NZZ </a> oder auch die Analysen von Thomas Straubhaar). </p>
<p>Zudem scheint es vergleichsweise wenig „Steuerflüchtlinge“ zu geben, welche in Deutschland ihr fiskalisches Glück suchen. Diese Empirie und das Verhalten von Peer Steinbrück sprechen hier Bände… Immerhin: dank Liechtenstein ist die Schweiz nicht ausschliesslich von Steuerwüsten umgeben.</p>
<p>Kurzum: Die Umverteilung von Einkommen hat sehr viel mit Leistungsanreizen – und damit mit Wachstum –  zu tun. Boris Becker, Michael Schumacher und andere deutsche Leistungsträger lassen grüssen. Das ist wohl empirischer Fakt genug…</p>
<p>Freundliche Grüsse,<br />
Tilman Slembeck</p>
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	<item>
		<title>Von: Fabian Lindner</title>
		<link>http://www.slembeck.ch/blog/?p=546&#038;cpage=1#comment-219</link>
		<dc:creator>Fabian Lindner</dc:creator>
		<pubDate>Mon, 21 Jun 2010 12:17:38 +0000</pubDate>
		<guid isPermaLink="false">http://www.slembeck.ch/blog/?p=546#comment-219</guid>
		<description>Lieber Herr Slembeck,


Sie schreiben:
&quot;Je gleicher der Kuchen verteilt wird, umso weniger Leute sind bereit, ihn zu backen&quot;

Das ist wohl schlicht eine der &quot;economic fallacies&quot;, der vor allem Ökonomen huldigen. Wo sind Ihre empirischen Daten, die so eine Aussage rechtfertigen? Die Aussage erscheint plausibel, aber nicht jede plausible Aussage muss etwas mit der Realität zu tun haben.

Wie kann es sein, dass Japan eine der größten Wirtschaftsmächte der Welt geworden ist, obwohl das Einkommen dort fast so gleich verteilt wird wie in Schweden? Und auch Schweden: Wie kommt es zu (relativ) geringer Arbeitslosigkeit und hohem Wachstum, wenn Ihre Aussage richtig wäre? 

Zum zweiten, den Steuern. Sie schreiben, um die Schweiz herum gäbe es nur steuerliches Ödland, und meinen wahrscheinlich, dass es etwa in Deutschland sehr hohe Steuern gäbe. 

Empirisch haut das aber nicht hin. Bei der OECD kann man nachlesen, dass gerade die Steuern in Deutschland recht gering sind. Eine Vermögenssteuern - wie es sie in der Schweiz, meine ich, gibt - gibt es in Deutschland gar nicht. Besonders die Gutverdiener bezahlen im EU-Durchschnitt unterdurchschnittlich Steuern.

Der Sozialstaat wird über Abgaben finanziert, die überproportional die mittleren und kleinen Einkommen treffen. Das ist der Fall wegen der Betragsbemessungsgrenze. Gutverdiener haben ab dieser Grenze eine fallende Grenzsteuerbelastung (rechnet man die Abgaben mit ein).

Kurz: Die Gleichheit der Einkommen hat mit Wachstum nichts zu tun. Das ist nun mal ein empirischer Fakt, mit dem man sich einmal auseinandersetzen sollte, bevor man Politiken bewertet.

Mit freundlichen Grüßen,

Fabian Lindner</description>
		<content:encoded><![CDATA[<p>Lieber Herr Slembeck,</p>
<p>Sie schreiben:<br />
&#8220;Je gleicher der Kuchen verteilt wird, umso weniger Leute sind bereit, ihn zu backen&#8221;</p>
<p>Das ist wohl schlicht eine der &#8220;economic fallacies&#8221;, der vor allem Ökonomen huldigen. Wo sind Ihre empirischen Daten, die so eine Aussage rechtfertigen? Die Aussage erscheint plausibel, aber nicht jede plausible Aussage muss etwas mit der Realität zu tun haben.</p>
<p>Wie kann es sein, dass Japan eine der größten Wirtschaftsmächte der Welt geworden ist, obwohl das Einkommen dort fast so gleich verteilt wird wie in Schweden? Und auch Schweden: Wie kommt es zu (relativ) geringer Arbeitslosigkeit und hohem Wachstum, wenn Ihre Aussage richtig wäre? </p>
<p>Zum zweiten, den Steuern. Sie schreiben, um die Schweiz herum gäbe es nur steuerliches Ödland, und meinen wahrscheinlich, dass es etwa in Deutschland sehr hohe Steuern gäbe. </p>
<p>Empirisch haut das aber nicht hin. Bei der OECD kann man nachlesen, dass gerade die Steuern in Deutschland recht gering sind. Eine Vermögenssteuern &#8211; wie es sie in der Schweiz, meine ich, gibt &#8211; gibt es in Deutschland gar nicht. Besonders die Gutverdiener bezahlen im EU-Durchschnitt unterdurchschnittlich Steuern.</p>
<p>Der Sozialstaat wird über Abgaben finanziert, die überproportional die mittleren und kleinen Einkommen treffen. Das ist der Fall wegen der Betragsbemessungsgrenze. Gutverdiener haben ab dieser Grenze eine fallende Grenzsteuerbelastung (rechnet man die Abgaben mit ein).</p>
<p>Kurz: Die Gleichheit der Einkommen hat mit Wachstum nichts zu tun. Das ist nun mal ein empirischer Fakt, mit dem man sich einmal auseinandersetzen sollte, bevor man Politiken bewertet.</p>
<p>Mit freundlichen Grüßen,</p>
<p>Fabian Lindner</p>
]]></content:encoded>
	</item>
	<item>
		<title>Von: klaus schmidt</title>
		<link>http://www.slembeck.ch/blog/?p=546&#038;cpage=1#comment-209</link>
		<dc:creator>klaus schmidt</dc:creator>
		<pubDate>Fri, 18 Jun 2010 09:57:00 +0000</pubDate>
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		<description>Schön wäre es, wenn wir grundsätzlich in den Medien und der Politik wieder zu einer genaueren Verwendung der Sprache kämen. Es macht nämlich schon einen erheblichen Unterschied, ob eine Regierung &quot;spart&quot;, d.h. mehr Einnahmen als Ausgaben hat oder ob sie nur die Ausgabenseite reduziert und dabei trotzdem neue Schulden macht! Die zukünftigen Generationen werden es deutlich spüren. 
Auch wenn Partei A behauptet, sie hätte eine Wahl gewonnnen, obwohl sie weniger Stimmen als Partei B hat, die aber halt höhere Verluste erlitten hat, ist für wirkliches  Demokratieverständnis nicht hilfreich. 
Diese Sprachverschiebungen erinnern mich an &quot;Newspeak&quot; in George Orwell &quot;1984&quot;. Wenn wir da nicht landen wolle, sollte sich jeder um Genauigkeit in der Ausdrucksweise bemühen. Auch die Begriffsschaffung &quot;PIGS Staaten&quot; in der Volkswirtschaft für Staaten mit Verschuldungsproblematik ist m.E. nicht angebracht.

Anmerkung von T. Slembeck:
PIIGS-Staaten = Portugal, Italien, Irland, Griechenland, Spanien</description>
		<content:encoded><![CDATA[<p>Schön wäre es, wenn wir grundsätzlich in den Medien und der Politik wieder zu einer genaueren Verwendung der Sprache kämen. Es macht nämlich schon einen erheblichen Unterschied, ob eine Regierung &#8220;spart&#8221;, d.h. mehr Einnahmen als Ausgaben hat oder ob sie nur die Ausgabenseite reduziert und dabei trotzdem neue Schulden macht! Die zukünftigen Generationen werden es deutlich spüren.<br />
Auch wenn Partei A behauptet, sie hätte eine Wahl gewonnnen, obwohl sie weniger Stimmen als Partei B hat, die aber halt höhere Verluste erlitten hat, ist für wirkliches  Demokratieverständnis nicht hilfreich.<br />
Diese Sprachverschiebungen erinnern mich an &#8220;Newspeak&#8221; in George Orwell &#8220;1984&#8243;. Wenn wir da nicht landen wolle, sollte sich jeder um Genauigkeit in der Ausdrucksweise bemühen. Auch die Begriffsschaffung &#8220;PIGS Staaten&#8221; in der Volkswirtschaft für Staaten mit Verschuldungsproblematik ist m.E. nicht angebracht.</p>
<p>Anmerkung von T. Slembeck:<br />
PIIGS-Staaten = Portugal, Italien, Irland, Griechenland, Spanien</p>
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