14.01.2012

Freibier für alle!

Eine Umfrage der deutschen Biertrinkerpartei hat ergeben, dass sich 87,3% der männlichen Bevölkerung tiefere Preise für Gerstensaft wünscht. Die Partei hat prompt reagiert und verlangt in einer Initiative „Mehr Freibier für alle.”

Laut einer Umfrage des Gewerkschaftsdachverband Travail Suisse wünschen sich drei Viertel der Bevölkerung und fast 90 % der Erwerbstätigen mehr Ferien. Nur gerade 14 % sind mit dem Status Quo zufrieden. Der Verband lanciert deshalb die Initiative “Mehr Ferien für alle“.

Wenn sich ein paar Kranke gemeinsam ins Bett legen, wird davon keiner gesund. Und selbst wenn man einige Gesunde darunter mischt, hilf das kaum. So ist es auch mit den Eurobonds. Die wurden heute vom EU-Kommissionspräsidenten Barroso wieder einmal aufgewärmt hat; vgl. NZZ. Die Strukturschwächen und Konstruktionsfehler der EU und der Euro-Zone lassen sich damit nicht beheben. Das Leiden wird höchstens verlängert, Reformen werden verzögert, Gesunde werden angesteckt. – Dennoch besteht ein Fünkchen Hoffnung.

Die Ökonomie ist die Königsdisziplin der Sozialwissenschaften. Mein Kollege Ernst Fehr, der diesen Standpunkt vertritt, traf kürzlich auf den Philosophen Richard David Precht. Die Diskussion dieser beiden Exponenten, welche ich beide ausserordentlich schätze, ist im Videoportal von SF abrufbar. Eine sehr spannende und inspirierende Debatte von zwei führenden Wissenschaftlern.

ChappatteMan kann den Finanzmärkten ja so einiges vorwerfen. Manchmal sind sie launisch. Manchmal bilden sie Blasen. Aber letztlich schaffen sie etwas, das kein Parlament, keine Regierung und kein Stabilitätspakt garantieren kann: sie sorgen für finanzpolitische Disziplin. Ohne den Druck der Finanzmärkte würde das Schuldenmachen in Europa und den USA munter weiter gehen. Berlusconi und Papandreou wären noch im Amt. Patrick Chappatte hat dies in der «International Herald Tribune» treffend bildlich dargestellt.

Wie schlecht geht es eigentlich dem Euro?

Momentan ist die Euro-Krise in den Medien allgegenwärtig. Für eine angeblich kranke Währung hält sich der Euro allerdings erstaunlich gut. Die Medien verwechseln die Finanzprobleme einiger Staaten der Eurozone mit einer vermeintlichen Währungsschwäche.

10.10.2011

Pyros und Anreize

Warum “Nulltoleranz” gefährlich sein kann

Das Abbrennen von Pyro-Fackeln in der Nähe von Menschen kann lebensgefährlich sein und ist deshalb in Fussballstadien verboten. Dennoch schaffen es einige Leute fast bei jedem Spiel, Pyros ins Stadion zu schmuggeln. Die Verantwortlichen sind offenbar nicht in der Lage, strikte Kontrollen durchzuführen. Und die Richter sind sich darüber uneins, ob das Mitführen von Pyros bereits eine strafbare Vorbereitungshandlung ist oder nicht. Deshalb fragt sich, mit welchen Regeln man die richtigen Anreize setzen könnte, um Pyros in Stadien zu verhindern.

25.09.2011

Selbstdemontage

Recycling ist an sich eine gute Idee — beispielsweise wenn die Umwelt durch Wiederverwendung gebrauchter Flaschen geschont wird. Bei Menschen ist Vorsicht geboten. Wenn ehemalige Stars ins Rampenlicht zurück kehren ist die Gefahr gross, dass sie scheitern.

Das Verhalten mancher Banker gereicht immer mehr zur Schande für die Schweiz. UBS und CS haben durch ein Geschäftsgebaren das im rechtlichen Graubereich liegt oder teilweise rundweg illegal ist, der Reputation unseres Landes Schaden zugefügt. Unsere Vertrauenswürdigkeit und der gute Ruf wurden langjährig und systematisch missbraucht, um gewinnbringende Geschäfte zu tätigen. Zwar war daran vermutlich nur ein kleiner Teil der Belegschaft beteiligt, doch sind die internen Kontrollen zu lasch oder man hat auf der Führungsetage weggesehen. — Allzu lange haben auch Öffentlichkeit und Politik beide Augen zugedrückt. Schliesslich waren die Banken gute Steuerzahler, wichtige Arbeitgeber und nicht zuletzt gute Lobbyisten.

Was ich vor gut einem Monat in diesem Blog erstmals breit diskutiert habe und zwischenzeitlich immer mehr Befürworter fand, ist heute Realität geworden. Die Schweizerische Nationalbank (SNB) hat soeben eine Untergrenze von 1.20 CHF für den Euro festgelegt. — Wie zu erwarten, ist der Kurs am Markt unverzüglich auf diesen Wert gesprungen. Was aussieht wie Magie, ist eigentlich nur ökonomische Logik.

22.08.2011

Ein Lesetipp…

…und die Ökonomie des Zölibats

Manchmal werde ich von Bloglesern nach Lesetipps gefragt. Wer Spass daran hat, verschiedene Aspekte des menschlichen Lebens aus ökonomischer Perspektive zu sehen, dem empfehle ich Freakonomics wärmstens.

Der Ökonom Steven D. Levitt (Uni of Chicago) und der Autor Stephen J. Dubner haben drei Bücher verfasst, in denen Themen welche scheinbar nichts mit Ökonomie zu tun haben, ökonomisch analysiert werden. Motto: The hidden side of everything. Es existiert auf der Website auch ein Blog.

…der Konsumenten auf die Detaillisten – Droht nun Deflation?

Schon im Mai 2011 hatte ich in diesem Blog dafür plädiert, dass die Schweizer Konsumenten vermehrt im Euroland einkaufen sollten, um unsere Importeure und Detaillisten dazu zu bringen, die Vorteile des starken Frankens endlich in Form tieferer Preise weiter zu geben; vgl. Blogeintrag.

Damals war ich allein auf weiter Flur. Später war auch Bundesrat Schneider dieser Meinung und erntete damit wenig Applaus. Doch die Konsumenten haben mitgespielt, fleissig im Ausland eingekauft, sodass nun die Grossverteiler Migros und Coop ihre Preise senken. — Droht uns nun eine Deflation?

Heute hat die SNB bekannt gegeben, dass sie die Liquidität an Schweizerfranken weiter erhöht. Sie hatte das selbe bereits vor einer Woche getan — allerdings ohne Wirkung auf den Frankenkurs — sodass die Geldmenge innert Wochenfrist um 90 Mrd. CHF gestiegen ist.

Um den Anstieg der Frankenliquidität zu beschleunigen, wird die Nationalbank zusätzlich Devisenswap-Geschäfte abschliessen.* Damit interveniert die SNB wiederum am Devisenmarkt (wenn auch mit einem anderen Instrument als zuletzt, d.h. ab 2010), ohne eine zu erreichende Kursgrenze anzugeben. Dies könnte sich als kontraproduktiv erweisen.

Die Einführung von Fallpauschalen bei Spitalbehandlungen bietet die Chance, unser Gesundheitswesen kostengünstiger zu machen und zugleich dessen Qualität zu steigern. Dies mag nach dem Wunschbild eines optimistischen Gesundheitsökonomen klingen, ist aber durchaus realistisch, wenn an der richtigen Stelle angesetzt wird – zum Beispiel bei den medizinischen Komplikationen. Zudem müssen die Fallpauschalen anreizkompatibel ausgestaltet sein.

Nationalbank wagt es (noch) nicht, die Notbremse zu ziehen

Der hohe Kurs des Schweizer Frankens drückt nicht nur auf die Exportindustrie, sondern auch auf unsere Nationalbank (SNB). Gestern hatte ich hier die Chancen und Gefahren eines Wechsels in der Geldpolitik diskutiert. Heute hat die SNB reagiert, indem sie die Zinsen senkt und mehr Liquidität zur Verfügung stellt; vgl. Medienmitteilung.

Der Wert des Schweizer Frankens steigt unaufhaltsam. Heute war ein Euro erstmals für 1.08 CHF zu haben. Die „magische Grenze“ von 1.40 CHF liegt weit hinter uns und die Frankenstärke beherrscht den Wirtschaftsteil der Presse. Denn es ist offensichtlich, dass ein derartiger Höhenflug über kurz oder lang Arbeitsplätze in der Exportwirtschaft kosten wird. Deshalb mehren sich die Stimmen, die einen Wechsel der Geldpolitik der Nationalbank (SNB) fordern. Welche Chancen und Gefahren hat ein solcher Wechsel?

Viel hilft viel. Unter diesem Motto scheint letzte Woche der EU-Sondergipfel zur Rettung Griechenlands und des Euros in Brüssel gestanden zu haben. Der Rettungsschirm wurde um rechnerische 109 Milliarden Euro zum Rettungsballon aufgeblasen. Das ist alter Wein in gebrauchten Schläuchen. Neu ist einzig die „freiwillige“ Beteiligung privater Banken, Versicherungen und Fonds. Doch ist diese mit Fallstricken verbunden. Vor der richtigen, weil notwendigen Massnahme eines echten Schuldenschnitts ist man in Brüssel hingegen zurück geschreckt.

Heute wurde bekannt gegeben, dass sich die drei grossen Kankenversicherer der Schweiz, Sanitas, Groupe Mutuel und Helsana, zu einem neuen Verband zusammen geschlossen haben. Unter dem Namen Allianz Schweizer Krankenversicherer wollen diese Kassen gemeinsam für mehr Wettbewerb kämpfen.

…weder bei anderen, noch bei Dir selbst!

So lautet das erste Gebot des Ehrencodex der Wissenschaft. Und wer doch abschreibt, muss es unmissverständlich deklarieren. Das nennt sich zitieren und gilt für Studenten wie Professoren gleichermassen.

Die Debatte um die «Too big to fail»- Problematik der Banken läuft ungebremst. Man erinnert sich: im Oktober 2010 hatte eine bundesrätliche Kommission einen Vorschlag für schärfere Eigenkapitalvorschriften der Grossbanken vorgelegt. Meine spontane Reaktion bestand darin, die strengeren Vorschriften als Chance für ein solides Swiss Banking zu verstehen;  vgl. Blogeintrag vom 4.10.10. Das Motto der betroffenen Banken sollte lauten:

Die Jungen Grünen haben beschlossen, ihr Volksbegehren zum Verbot von Offroadern bedingt zurückzuziehen. Falls der indirekte Gegenvorschlag der eidgenössischen Räte in Kraft tritt, wollen sie auf eine Volksabstimmung verzichten; vgl. 10vor10.
Aus liberaler Sicht ist das erfreulich. Nicht alles was verboten werden kann, muss auch verboten werden. Ökonomisch gesehen reicht es, die negativen Externalitäten von Fahrzeugen mit einem entsprechenden Preis zu versehen. — Doch fragt sich, ob die vom Parlament beschlossene Teilrevision des CO2-Gesetzes tatsächlich die richtigen Anreize setzt.

27.06.2011

Lobbyisten Unsinn

Interessenvertreter vertreten Interessen. Daran ist an sich nichts auszusetzen. Allerdings greifen sie gelegentlich zu Argumenten, die – ökonomisch gesehen – absurd sind. In der letzten Woche bin ich zwei schönen Beispielen aus dem Umweltbereich begegnet.

Die Zuwanderung ausländischer Arbeitnehmer ist eines der politisch heissesten Themen im (Wahl)Jahr 2011. Der Hunger der Wirtschaft nach qualifizierten Arbeitskräften und die Attraktivität der Schweiz haben seit Einführung der Personenfreizügigkeit mit der EU zu einem positiven Migrationssaldo geführt.  Doch ist die Zuwanderung für unser Wirtschaftswachstum zwingend?

Mit der Umsetzung der „neuen Spitalfianzierung“ beginnt im nächsten Jahr ein neues Kapitel in unserem Gesundheitswesen. Neben der Einführung der Fallpauschalen für stationäre Spitalleistungen gibt es eine Reihe weiterer Änderungen, deren Auswirkungen vorerst unklar sind. Doch statt einer systematischen Überwachung der Entwicklung, startet die Schweiz einen gesundheitspolitischen Blindflug. Denn die Akteure im Gesundheitswesen haben es verpasst, eine wissenschaftliche Begleitforschung zu etablieren. So wird das Schwarze-Peter-Spiel munter weiter gehen.

An meiner Tankstelle herrscht fast jede Woche ein anderer Literpreis. Doch in vielen Märkten passen sich die Preise für Konsumgüter mit zeitlicher Verzögerung an. Im Fachjargon wird von „sticky prices“ gesprochen. Preisschilder und Preislisten sind oftmals vorgedruckt. Und die Anbieter zögern mit Preisanpassungen, vor allem nach unten.

Dabei gäbe es bei uns einigen Grund für Preissenkungen. Denn der Import von Waren aus dem Ausland wird aufgrund des starken Frankens immer günstiger. Im letzten Jahr sind alle wichtigen Währungen im Vergleich zum Franken schwächer geworden.; vgl. nachfolgende Graphik der Nationalbank (SNB).

Ab nächstem Jahr werden Spitalleistungen in der Schweiz über Fallpauschalen abgegolten. Statt dass bei einem Eingriff jeder Handgriff und jedes Pflästerli einzeln abgerechnet wird, erhält das Spital eine Pauschale für den gesamten Eingriff, weitgehend unabhängig vom effektiven Aufwand. Damit soll der Anreiz gemindert werden, medizinisch unnötigen Aufwand zu betreiben, wie etwa Patienten übermässig  lange im Spitalbett zu behalten, nur um Einnahmen zu generieren.

Am letzten Freitag stellte der Chefarzt eines Zürcher Regionalspitals, Christian Hess, in der TV-Sendung Arena die Behauptung auf, dass Fallpauschalen zur Überbehandlung von relativ gesunden Menschen führen.* Diese Aussage ist Unsinn und wirft ein schräges Licht auf das Gebaren, welches gemäss Hess in manchen Spitälern herrscht.

Über die hohen Kosten unseres Gesundheitswesens ist schon viel geklagt und geschrieben worden. Mangelnder Wettbewerb, demographische Alterung und medizinischer Fortschritt beeinflussen die Kostenentwicklung. Beim Vergleich mit dem Ausland stechen aber weitere Faktoren hervor, über deren Bedeutung und Kostenrelevanz man sich hierzulande weniger bewusst ist.

Die Schweiz kennt nämlich kaum Wartelisten. Zudem gewährt sie freien Zugang zu praktisch allen medizinischen Leistungen und obendrein die freie Arztwahl. In Ländern mit tieferen Gesundheitskosten ist dies anders.

Gastbeitrag von Doc Wight, Melbourne

Dear Readers,
Tilman Slembeck travels Australia examing its economy but fails to point out to his readers the destruction he causes Australian breweries by having only one light beer each night. This has a micro impact on our macro economy and will reflect badly on Australian-Swiss relations. What Australian only has one beer a day when travelling in Switzerland or when setting up a secret bank account.

Australien ist ein erstaunliches Land. Neuerdings kann hier ein Koch wesentlich mehr verdienen als die Premierministerin Julia Gillard. Sie kommt auf 355‘000 AU$ pro Jahr, während ein Koch bis zu 445‘000 AU$ und ein Wäschereihelfer 424‘000 AU$ verdienen kann. Nominell entspricht das etwa dem selben Betrag in Schweizer Franken, wobei die Steuern und Abgaben leicht höher sind als bei uns. Spitzenreiter sind Schiffsschweisser, die bis zu 500‘000 AU$ verdienen; vgl. The Australian. — Wie kann das sein?

Im Zusammenhang mit den Ereignissen in Japan — aber auch jenen in den Maghreb-Staaten — wird gegenwärtig in den Medien die Metapher des “schwarzen Schwans” bemüht. Meist wird dieser so definiert, dass es sich um ein “völlig unvorhergesehenes Ereignis mit weitreichenden Wirkungen” handelt. Auch plötzliche Börseneinbrüche oder Kriege werden als schwarze Schwäne bezeichnet und es wird davor gewarnt, dass viele davon auf uns lauern. — Allerdings sind all diese Beispiele fehl am Platz.

Am 21. März 2010, also vor ziemlich genau einem Jahr, schrieb ich den ersten Beitrag in diesem Blog. Zum Jubiläum etwas Statistik. Dieser Blog hat inzwischen

  • 68 Artikel (also gut 1 Artikel pro Woche)
  • 84 Kommentare (viele von mir, keiner von einer Frau geschrieben)
  • ca. 18′000 Besucher pro Monat

Medien lieben den Durchschnitt. Gerne wird er zum Vergleich beigezogen, obwohl er in vielen Situationen irrelevant, nicht aussagekräftig oder gar irreführend ist.
Beim Wetter wird uns zum Beispiel berichtet, dass der vergangene Monat im Vergleich zum langjährigen Durchschnitt zu warm oder trocken war. Zwar mag eine solche Aussage korrekt sein, doch ist sie belanglos. Denn es ist ein Zufall wenn die Temperatur oder Niederschlagsmenge eines bestimmten Monats genau dem Durchschnitt entspricht. Abgesehen von reinen Zufällen ist also jeder Monat wärmer oder kälter als der durchschnittliche Monat. Die Journalisten müssen trotzdem die Seiten füllen.

16.03.2011

Noteninflation

Gemäss einer neuen Studie führt ein hoher Anteil ausländischer Studierender mit schlechten Englischkenntnissen dazu, dass in Australien die Studienleistungen sinken. Schon seit einiger Zeit litten die hiesigen Hochschulen unter einem Schwund an internationalen Studenten, der unter anderem mit dem starken Aussie-Dollar erklärt wurde. — Vor allem die Asiaten gingen häufiger nach Europa, v.a. Grossbritanien, zum Studium.

Wer eine Hotelübernachtung bucht, kauft ein Leistungsbündel. Ökonomen sprechen deshalb von „bundling“. Im Laufe der Jahre hat sich das Bündel massgeblich erweitert. Ein eigenes Bad und WC gehören heute bei einem normalen Hotelzimmer ebenso dazu wie Handtücher, elektrischer Strom und heisses Wasser. Das war nicht immer so. Früher gab solches nur gegen Aufpreis und die Klimaanlage oder der Fernsehapparat mussten bei Bedarf mit Münzen gefüttert werden.

Im Januar wurde Queensland im Nordosten von Australien von riesigen Überschwemmungen heimgesucht. Anfangs Februar kam dann noch der Zyklon Yasi dazu, der als Jahrhundertsturm in die australische Geschichte einging; siehe. — Die Folgen sind unter anderem ökonomischer Art. Wie lange sie andauern, hat aber auch einiges mit Psychologie zu tun.

Australien ist ein glückliches Land – makroökonomisch gesehen jedenfalls. Die Arbeitslosenrate beträgt 5%, die Inflation 2.7% und die Wirtschaft wuchs im letzten Jahr mit 2.8%. Also alles im moderaten, grünen Bereich.

Am Wochenende berichteten die Medien aber über massive Probleme bei der Beschaffung neuer Arbeitskräfte im Bergbau. Dort sollen in den nächsten Jahren 250‘000 neue Jobs geschaffen werden. Qualifizierte Mitarbeiter fehlen allerdings weitgehend. – Solche Probleme kennen wir in der Schweiz sonst nur aus dem Gesundheitswesen und der Informationstechnologie.

Welche Regionen der Erde sind wirtschaftlich stark entwickelt? Wie verteilt sich die wirtschaftliche Aktivität über den Erdball? – Die Antworten findet man nicht nur im Wirtschaftsatlas, sondern auch beim Blick auf unseren Planeten bei Nacht. Denn dann zeigen sich die belebten Gebiete anhand der Lichter der grossen Städte und Agglomerationen. Und hierin spiegel sich zu einem grossen Teil auch die Verteilung der wirtschaftlichen Aktivität einer Region wider.

In Peking sind Verkehrswege knapp. Es herrscht permanenter Stau. Die Stadtverwaltung verlost deshalb neuerdings die Autonummern. Gemäss NZZ bewarben sich letzte Woche bei der ersten Pekinger Nummernschild-Lotterie 210′000 Interessenten um 17′600 Neuzulassungen. — Für die Zuordnung (sog. Allokation) der knappen Strassenkapazitäten wurde hier ein Mechanismus gewählt, der in empirischen Untersuchungen relativ schlecht wegkommt, weil er als unfair empfunden wird.

Das Departement von Bundesrätin Doris Leuthard (UVEK) hat letzte Woche zwei Initiativen lanciert, die zu reden geben. Zum einen soll die Mobilität im Lande schrittweise verteuert werden. Zum anderen soll der Zersiedelung des Landes durch striktere Raumplanung und verstärkte Koordination Einhalt geboten werden. Beides hat ganz zentral mit Ökonomie zu tun.

Firmen die Verluste machen, schütten keine Gewinne aus und zahlen keine Boni. Normalerweise jedenfalls. Bei Banken ist das anders. So hat es die UBS geschafft, Boni auszubezahlen, die in ihrer Summe etwa gleich hoch waren wie die Verluste. Dies führte 2008 und 2009 zu einigen Diskussionen; vgl. NZZ.

Zum Wochenende hat nun auch die Nationalbank (SNB) bewiesen, dass sie keine normale Firma ist.

«Vertrauenszahnärzte prangern Raubbau am Sozialstaat an»

Im Kanton Aargau spielt sich erstaunliches ab. Gemäss Aargauer Zeitung vom 5.1.11 sind alle vier kantonalen Vertrauenszahnärzte kollektiv von ihrem Amt zurückgetreten. Sie werfen der zuständigen Regierungsrätin in einem Schreiben vor, «dass Sie in keiner Weise an einer kostengünstigen und gerechten zahnmedizinischen Versorgung interessiert» sei. Man sehe sich «moralisch wie auch ethisch» ausserstande, neue Richtlinien umzusetzen und sich damit «am Raubbau am Sozialstaat» zu beteiligen.

…steigen sie. Im November 2010 hat das Bundesamt für Statistik fast unbemerkt eine Zunahme der Kosten im Jahre 2008 um satte 3.2 Milliarden Franken bekannt gegeben. Dieser Anstieg von rund 6% gegenüber dem Vorjahr war der Presse keine Schlagzeile wert. Deshalb einige grundlegende Gedanken zum Jahresbeginn.

Zwei wichtige Ergänzungen zum Thema “Quantitative Easing” der US-Notenbank FED:

  1. Gemäss seinem Chef, Ben Bernanke, druckt das FED gar kein Geld.
  2. Falls das FED doch Geld druckt, gibt es technische Probleme.

=> Video anschauen…

Die Hoffnungen auf Kostenlinderung ruhen im Schweizer Gesundheitswesen momentan auf der Managed-Care-Vorlage. Ärztenetzwerke sollen helfen, das Kostenwachstum in der Grundversicherung in den Griff zu bekommen. Mit einem differenzierten Selbstbehalt will man die Versicherten zum Beitritt bewegen. Gesundheitsökonomisch gesehen ist das der richtige Weg.

Ebenso wichtig ist es aber, den Netzwerken Budgetverantwortung zu übertragen und Anreize für Gesundheitsprävention und –vorsorge zu setzen. Daran hapert es noch — denn die Schweizer sind Bindungsscheu.

Wer schafft es, den russischen Präsidenten Putin in kürzester Frist nach Zürich zu locken und Schwiizerdütsch sprechen zu lassen? König Fussball. Der regiert die Mächtigen. Und wird seinerseits vom Geld regiert.

Ökonomisch gesehen ist dies eine triviale Einsicht. Schade nur, dass die Fifa nicht offen dazu steht. Statt einen aufwendigen Schönheitswettbewerb zu veranstalten, könnte sie die Austragungsrechte ganz einfach versteigern. Das wäre ehrlicher und transparenter.

Inzwischen pfeifen es die Spatzen von den Dächern. Das “quantitative easing” ist eine Mogelpackung, die enormen Sprengstoff für die Zukunft liefert.

Auf die Probleme, welche sich die Notenbanken (auch unsere SNB) durch die expansive Geldpolitik eingebrockt haben, hatte ich bereits im Frühling hingewiesen (hier). Inzwischen hat auch der Dachverband der Schweizer Wirtschaft (Economiesuisse) mit einem Thesenpapier reagiert. Darin ist von “aussergewöhnlichen Mitteln” der Zentralbanken die Rede, wozu ich auch die Gesprächstherapie der SNB zählen würde (vgl. hier).

Nachdem das Schweizer Bankkundengeheimnis auf Druck der EU und der USA bereits viele Federn gelassen hat, ist die EU schon auf dem nächsten Feldzug. Nun geht es um die steuerliche Privilegierung ausländischer Holdinggesellschaften. Auch diesbezüglich wird die Schweiz wohl früher oder später nachgeben müssen.

Die US-amerikanische Notenbank (FED) hat im November eine neue Runde des “Quantitative Easing” eingeläutet. Damit ist eine Lockerung der Geldpolitik gemeint, um eine Deflation zu vermeiden; vgl. NZZ. Dass das FED dazu Staatschulden in grossem Umfang aufkauft und damit die Verschuldung fördert, mag sich dereinst als grosser Fehler erweisen.

Zudem ist unter Experten höchst umstritten, ob tatsächlich eine Deflationsgefahr besteht (vgl. auch Blogeintrag bezüglich der Schweiz). Vielmehr besteht der Verdacht, dass das FED die US-Wirtschaft mit billigem Geld ankurbeln will und dafür eine massive zukünftige Inflation inkauf nimmt.

«Es gibt durchaus gute Gründe, über eine Immobilienblase zu sprechen. Das Stichwort lautet Prävention.»

Die NZZ weist hier auf ein Instrument hin, das die Schweizerische Nationalbank (SNB) seit anfangs Jahr regelmässig einsetzt, obwohl es nicht ins lehrbuchmässige Arsenal einer Zentralbank gehört. Das Abweichen der SNB von einer strikt auf Geldwertstabilität ausgerichteten Politik, indem sie neu auch einen aktiven Beitrag zum Wirtschaftswachstum und zur Finanzstabilität leisten will, hat zu einer bemerkenswerten Erweiterung ihres Instrumentariums geführt.

Als Wirtschaftsprofessor muss man der Bündner Regierung dankbar sein. Denn sie liefert ein glasklares und geradezu lehrbuchmässiges Beispiel eines Verstosses gegen das 1. Gebot der Ökonomie an die Politik: Du sollst nicht Subventionen ausrichten.

Der reinrassige Sündenfall spielt in Domat/Ems und führt – hoffentlich nicht nur den Studierenden –  vor Augen was geschieht, wenn der Staat in den Markt eingreift und mittels Subventionen Arbeitsplätze schaffen will.

9.11.2010

Nützliche Piraten

Häufig imitiertes Produkt: Desinger-EinkaufskorbIn der Wissenschaft sind Plagiate verpönt. In der Wirtschaft ist das Imitieren fremder Produkte nicht nur verbreitet, sondern oft auch volkswirtschaftlich vorteilhaft. Die Schäden durch Produktpiraterie sind etwa bei Luxusgütern deutlich geringer als allgemein angenommen. Kampagnen wie aktuell “Stop Piracy” sind deshalb differenziert zu betrachten.

23.10.2010

Blocher vs. Levrat

Die Diskussion mit alt Bundesrat Chr. Blocher, SP-Chef Chr. Levrat und EU-Botschafter Reiterer fand am 25. Nov. 10 statt. Die Aula war zum bersten gefüllt. Infos und Impressionen sind hier zu finden.

Der Bundesrat ist der Meinung, dass in unserem ausbalancierten Steuerwesen, das über Jahrzehnte entstanden ist, sehr grosse Steuergerechtigkeit herrscht,” meint unser Finanzminister gemäss NZZ.

Die SP ist anderer Meinung und bringt im November eine Steuergerechtigkeitsinitiative zur Abstimmung. Diese verlangt im Kern eine Angleichung der Steuersätze nach oben und will so Steuerwettbewerb verhindern.

Doch was heisst eigentlich Steuergerechtigkeit?

Modelle sind verpönt. Jedenfalls bei Praktikern. Manchmal auch bei Studierenden. Modelle stehen nicht eben im Ruf, das zu fördern, was man gemeinhin unter Praxisbezug versteht. Sie gelten als abstrakt und realitätsfremd, zumindest als unpraktisch. Gerade wenn es sich um ökonomische Modelle handelt und vor allem wenn sie im mathematischen Gewand daher kommen.

Das Problem ist bekannt. In Städten wie Zürich suchen viele Studierende günstigen Wohnraum. Ein Zimmer an guter Wohnlage — zum Beispiel am Zürichberg — können sie sich nicht leisten. Dort wohnen oft ältere Menschen in grossen Häusern. Die Kinder sind ausgeflogen. Zimmer stehen leer. Ökonomisch gesehen die perfekte Situation für einen gegenseitig vorteilhaften Tausch.

Eine Expertenkommission des Bundes hat heute empfohlen, die Eigenmittelanforderungen der so genannt systemrelevanten Grossbanken (CS und UBS) deutlich zu verschärfen; vgl. NZZ. An der Zürcher Bahnhofstrasse scheint sich niemand so recht zu freuen. Dabei kann dies auch eine Chance sein — ökonomisch und langfristig gesehen.

Die Bekämpfung der weltweiten Armut ist zweifellos eines der wichtigsten Ziele überhaupt. Vergangene Woche hat der UNO-Generalsekretär, Ban Ki Moon, einmal mehr auf die Bedeutung des Kampfes gegen Armut, Hunger und Krankheiten hingewisen. Im Rahmen einer UNO-Sonderkonferenz warnte er vor dem Nachlassen der Entwicklungshilfe angesichts der Wirtschaftskrise. Immer noch müssen nach Uno-Angaben etwa 1,4 Milliarden Menschen mit weniger als einem Euro pro Tag auskommen, schreibt die NZZ. — Ökonomisch gesehen stellt sich die Frage, wie überhaupt möglich ist, dass so viele Menschen mit so wenig Geld leben können.

Die Konsumentensendung Kassensturz berichtete heute darüber, dass Magnesium- und Kalziumpräparate in der Apotheke bis zu 20mal mehr kosten, als beim Discounter. Dieser massive Preisunterschied hat mehrere Gründe, die ich Kassensturz im Vorfeld erläutert habe. Leider wurden sie im Beitrag extrem verkürzt, sodass ich sie hier nochmals aufschreibe.

Die Weltmeere werden zunehmend leergefischt. Was liegt da näher, als vermehrt auf Fischzucht umzustellen, um den Nahrungsbedarf einer wachsenden Weltbevölkerung nachhaltig zu decken. In manchen Ländern subventioniert der Staat die Fischzucht mit dem Ziel, das Einkommen der Fischer zu sichern und gleichzeitig die Fischbestände zu schonen. — Allerdings mit unerwarteten Nebenwirkungen.

Wenn alle die Arbeit haben, etwas weniger arbeiten, bleibt mehr Arbeit für jene, die keine Arbeit haben.

Dieses Rezept gegen Arbeitslosigkeit ist alt, weit verbreitet und falsch. Der Mythos hält sich hartnäckig. Er beruht auf der Vorstellung, dass die gesellschaftlich notwendige Arbeitsmenge fix gegeben ist. Entsprechend könnte man — so die Meinung — Arbeit umverteilen, von jenen die viel haben, zu jenen die wenig oder keine haben. Folglich sinkt die Arbeitslosigkeit.

Am 26. September stimmt die Schweiz über eine Revision der Arbeitslosenversicherung (ALV) ab. Aufgrund eines Schuldenbergs von 7 Milliarden Franken soll diese saniert werden. Heute Abend gab es im Kassensturz zu diesem Thema eine Lektion in Prozentrechnen.

Der so genannte Wirtschaftskreislauf ist lediglich ein Hilfskonstrukt für die Lehre, sollte aber nicht als Tatsachenbehauptung oder Modell der Realität missverstanden werden.

Der Grund ist einfach: Es gibt nichts, das kreist.

In ökonomischer Lesart haben wir es mit zwei Tauschbereichen zu tun: Auf den Produktemärkten werden Güter und Dienstleistungen gegen Kaufkraft getauscht und auf den Faktormärkten Produktionsfaktoren gegen Kaufkraft. Beide male handelt es ich um äquivalenten Tausch, indem eine Leistung (z.B. Konsumgut oder Arbeitsleistung) gegen die ihr entsprechende Kaufkraft (welche in Form von Geld übertragen wird) getauscht wird.

9.08.2010

Affenökonomie

Gut möglich, dass sich viele Manager in der Finanzkrise nicht anders verhalten haben als Primaten. Mensch wie Affe geht bei Verlusten höhere Risiken ein, als bei Gewinnen. Dies jedenfalls legen neue Experimente der Yale University nahe.

Betrachen Sie die beiden folgenden Situationen und entscheiden Sie sich jeweils für A oder B.

Gut gemeint ist manchmal das Gegenteil von gut. Die deutsche Regierung hat 1 Mio. Franken für die Ausbildung von 925 somalischen Polizisten ausgegeben. Diese sind nun verschwunden; NZZ vom 3.8.10. Falls sie sich wie befürchtet den islamistischen Milizen angeschlossen haben, hat man dem Land einen Bärendiest erwiesen.

Blogger im August in einem Schuhgeschäft: “Ich suche ein Paar Sommerschuhe.” Verkäuferin: “Haben wir nicht, jetzt ist die Herbst- und Winterkollektion dran.” Blogger: “Dann ist Ihre Firma aber ganz schön im Rückstand.” Verkäuferin: “...?…” Blogger: “Ich suche Schuhe für den nächsten Sommer…

Die Schweiz hat in den letzten Wochen über das Ende des bilateralen Wegs mit der EU und mögliche Auswege diskutiert. Zum Nationalfeiertag sollte für einmal etwas grosszügiger gedacht werden.

Statt dem EWR oder gar der EU beizutreten, sollten wir einfach den Spiess umdrehen und die Schweiz erweitern.

Eben komme ich aus dem Internet zurück.

Dort herrscht ein rechtes Chaos!

WER RÄUMT EIGENTLICH MAL DAS INTERNET AUF?

WARUM HAT DAS NOCH NIE JEMAND GEMACHT?

?

Sachdienliche Hinweise bitte als Kommentar posten — vielen Dank!

Gesund ist teuer. Unter diesem Titel berichtet das St.Galler Tagblatt von den Plänen des St.Galler Gesundheitsdepartements, für Investitionen im Spitalbereich 1‘200 Millionen Franken auszugeben. Diese für einen einzelnen Kanton enorme Summe wirft – gesundheitsökonomisch gesehen – etliche Fragen auf.

Was vermisst ein Holländer in der Schweiz NICHT? — die freie Arztwahl.

Was vermisst ein Holländer in der Schweiz SEHR? — die freie Schulwahl.

school choiceWas man vermisst oder woran man hängt, ist reine Gewöhnungssache. Holländer sind es gewohnt, immer zunächst zum Hausarzt zu gehen. Schweizer wollen Ihren Arzt ständig neue wählen können. Das holländische Modell würde für sie eine Einschränkung bedeuten; vgl. Blogbeitrag.

Bei der Schulwahl ist es gerade umgekehrt…

Im Gesundheitswesen sind so genannte Managed-Care Modelle im Aufschwung. Der Gesundheitsminister und die vorberatenden Kommissionen der Räte befürworten Ärztenetzwerke in der Grundversorgung. Glaubt man den Schlagzeilen der Presse, bringt dies aber auch einen deutlichen Nachteil.  Titel wie “Die freie Arztwahl nur gegen Aufpreis” oder “Die Zeit der freien Arztwahl läuft ab” suggerieren, dass die Patienten ihren Arzt nicht mehr selbst wählen könnten oder nur gegen Bezahlung. Dieser Eindruck ist falsch.

Im Juni hat die RVK, der Verband der kleinen und mittleren Krankenversicherer, ihren Jahreskongress dem Thema “Leistungskatalog” gewidmet. Dabei kam unter anderem die Frage auf, ob Leistungen von der obligatorischen Grundversicherung (OKP) übernommen werden sollen, weil sie kostengünstig sind. Oder ist es umgekehrt, dass gerade günstige Leistungen nicht von der OKP bezahlt werden sollen?

EuroVor einem guten Monat habe ich von den Nöten berichtet, ein guter Nationalbanker zu sein. Es ging um die Herausforderung der SNB, die wegen der Finanzkrise geschaffene, zusätzliche Liquidität abzuschöpfen, ohne dadurch den mühsam herbeigeredeten Aufschwung abzuwürgen; vgl. hier. — Inzwischen bin ich zur Überzeugung gelangt, dass unsere Notenbank wirklich etwas “ins Schilf” geraten ist.

Mit dem Argument, die Schweizer Volkswirtschaft vor einer Deflationsspirale bewahren zu wollen, hat sie im ersten Halbjahr 2010 in historisch einzigartigem Ausmass Euros gekauft. Damit hat sie eine Schwächung des Schweizerfrankens gegenüber dem Euro angestrebt, also in Abweichung des seit dem Jahre 2000 bestehenden geldpolitischen Konzepts, ein implizites Wechselkursziel verfolgt. Das neue Rekordtief des Euro von dieser Woche (CHF 1.35/Euro) belegt, dass dieses Ansinnen gründlich misslungen ist. Dieses Vorgehen wirft kritische Fragen auf.

Hohe Boni sind ein Ärgernis. Vor allem bei Firmen, die staatlich gestützt werden oder Verluste machen. Rechtfertigt dies aber weitere Staatseingriffe wie die Bonussteuer?

Bereits im April hatte ich darauf hingewiesen, dass eine solche Steuer zu massgeblichen Fehlanreizen führen kann und dass die immer noch hohen Boni im Finanzsektor eine indirekte Folge der leider notwendigen, aber systemwidrigen Rettungsaktionen in diesem Sektor sind. — Inzwischen war die Politik kreativ und hat sich ein sich ganzes Arsenal an Möglichkeiten zur Besteuerung von Boni ausgedacht, vgl. die Übersicht in der NZZ.

Das hat die Politik aus eigener Kraft jahrelang nicht geschafft. Nun haben die Devisen- und Finanzmärkte die europäischen Staaten zu vermehrter Haushaltsdisziplin gezwungen. Für einen Ökonomen ist das tröstlich. Für die Bürger weniger, denn sie haben sich in vielen Ländern an die Wohltaten aus dem staatlichen Füllhorn gewöhnt.

Vor zwei Tagen haben die Gesundheitsdirektoren entschieden, dass sie vorerst nicht entscheiden. Die zuständigen Regierungsräte konnten sich nicht darauf einigen, welche Zentren künftig welche Organtransplantationen durchführen dürfen; vgl. NZZ. Dieser Zustand ist skandalös, weil er teuer ist und die medizinische Qualität mindert.

Den Deutschen hat die Personenfreizügigkeit mit der Schweiz viel gebracht. In den letzten Jahren schickten die Schweizer ihre Punkte beim Eurovision Liederwettbewerb überwiegend in Richtung Osten. Letzte Nacht gingen wieder 8 Punkte an Albanien und 10 Punkte an Serbien — aber unsere Twelve Points bekam Deutschland. Das hat es schon sehr lange nicht mehr gegeben.  Die zugewanderten Deutschen haben die Gunst der Stunde genutzt und fleissig angerufen. Lena hat verdient gewonnen. Sie ist toll, alter Finne!